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Tinker sind keine deutschen Pferde. Sie kommen aus Irland und England. Dort gab es vor 570 Jahren allerdings noch keine gescheckten Pferde. Die Vorfahren der Zigeuner, denen man eine Vorliebe für alles Bunte nachsagt, brachten über die Jahre hinweg 800 bis 1000 bunte Pferde auf ihrer Wanderung von Persien in die westliche Welt. Die Zigeuner lebten in ihren Planwagen auf der Landstraße, der nicht nur als Fortbewegungs- oder Arbeitsmittel, sondern als das ihrem Wesen entsprechendem Zuhause galt. Eine solche Karawane von Wagen wurde “Vardo” genannt.

Der Tinker (auch Irish Tinker, Coloured Cob of Gipsy Type, oder Coloured Original) ist eigentlich ein Farbschlag, der durch Kreuzungen vieler verschiedener Pferderassen entstanden ist.
Die Traveller waren darauf angewiesen, ihre Pferde so billig wie möglich einzukaufen. In vielen verschiedenen Rassen waren die Schecken sehr unbeliebt. Diese Tiere kauften sie auf, aber auch oftmals kranke und verdorbene Pferde, die sie gesund pflegten und dann mit Gewinn weiterverkauften. Pferdehandel und Pferdeverstand scheint ihnen also im Blut zu liegen.
Ihnen war das Aussehen ihrer Tiere nicht wichtig, ausschlaggebend war ihre Zweckmäßigkeit. Waren ihm seine Zugpferde zu langsam, wurden z. B. Traber eingekreuzt. Manchmal sind auch Vollblüter und Spanier bei den Vorfahren der Tinker zu finden. Darauf könnte man eventuell die hohe Knieaktion der Tinker zurückführen.
Im Vordergrund stand allerdings die Zuverlässigkeit. Ein “kushti grai” so bezeichnen die Zigeuner ein gutes Pferd, sollte in der Lage sein, viele Stunden zu arbeiten. Es sollte ein kräftiges Zugpferd sein, was die gesamte Habe ruhig und zuverlässig zog. Es sollte Ruhe und Harmonie ausstrahlen ohne Rücksicht auf Alter und Ausbildungsstand. So ließen die Traveller ihre Stuten vorzugsweise von Hengsten der Rasse Shire und Clydesdale, aber auch Welsh Cob, Dales- und Fell Ponies bedecken.
Sie stellten ihre Stuten nachts zur Bedeckung einfach zu den Hengsten auf die Koppel, da sie die Decktaxe sowieso nicht aufbringen konnten. Wählerisch zu sein, konnten sie sich nicht leisten, daher enthält der Tinker alle möglichen Rassen, die in England und Irland vorhanden waren.
Nur um eine Scheckung des Nachwuchses zu erreichen, nahmen die Traveller schon einige Risiken in Kauf. In unbewachten Momenten führten sie ihre Stuten zu den Scheck-Hengsten des britischen Adels und des Militärs. (Die einzigen Schecken im Militär sind dort die Paukenpferde, die Drum Horses der Household Cavellery des Königshauses.)

Dies erklärt auch die heutige Artenvielfalt, die Variation in der Größe, die zwischen 135 und über 160 cm Stockmaß liegt. Der Tinker ist ein meist gutmütiges und verlässliches Freizeitpferd, (meist) im Typ eines Cob stehend, also zumeist kräftig und untersetzt. Sein mittelgroßer bis großer, häufig ramsnasiger Kopf geht in einen kurzen, kräftigen Hals über. Die Brust ist meist breit und gut bemuskelt, der Rumpf tonnig und lang. Der Schweif des Tinkers ist oft üppig und manchmal auch zwei oder dreifarbig, teilweise sogar gewellt. Ebenso charakteristisch für diese Rasse ist der dichte Kötenbehang.
Natürlich gibt es durch die ursprünglich verschiedenen eingekreuzten Rassen viele unterschiedliche Vertreter dieser Rasse, teilweise wirken sie auch Pony- oder gar Warmbluthaft (sog.”Vanner” Typ).
Die Scheckung der Tinker ist eines der wichtigsten Erkennungsmerkmale. Idealer Weise sollte das Verhältnis bei einem Tinker 50:50 sein. Es gibt verschiedene Grundstrukturen der Scheckung. Es gibt eine Overo-Scheckung und die Tobiano-Scheckung. Die Overo-Schecken weisen in ihrer Zeichnung unruhige, zerfranste Konturen auf, wobei das Weiß von der Seite ausgeht und die Rückenlinie nicht kreuzt. Beine und Kopf sind meist weiß. Die Augen sind oft blau. Der Tobiano-Schecke hat ruhige Konturen. Das Weiß geht vom Bauch aus und kreuzt die Rückenlinie
Der Kopf trägt Abzeichen, wie sie auch bei einfarbigen Pferden vorkommen. Es könnten ebenfalls Mischungen aus Overo und Tobianoscheckungen auftreten, sowie Porzellanschecken, die allerdings in der Scheckzucht nicht so erwünscht sind. Genauso unerwünscht sind Tigerscheckungen. Es gibt auch einfarbige Tinker in schwarz, weiß oder isabellfarben. Diese Einfarbigkeit ist auch nicht erwünscht.
Gelegentlich weisen Schecken innerhalb ihrer Abzeichen, aber vorwiegend an den Flanken, noch Punkte auf. Sie werden Tintenflecken - ink spots- genannt. Es sollten allerdings nicht zu viele sein, damit aus einem Plattenschecken kein Tigerschecke wird.
Sogenannte Glas- oder Fischaugen sind bei diesen Pferden ebenso keine Seltenheit.
Die Bewegung des Tinkers ist durch die Tritt- und Taktsicherheit ausgezeichnet, sowie eine häufig ausgeprägt hohe Knieaktion. Deshalb werden sie heute oftmals als menschenbezogene und genügsame Freizeitpferde, aber auch als Fahr-, oder Therapiepferde eingesetzt.
Die Traveller beschrieben einen guten Tinker wie folgt: “Ein guter Cob sollte einen Kopf haben wie ein Welsh Cob, die Aktion wie ein Hackney und den Behang wie ein Clydesdale oder Shire Horse”
"Das Gold der fahrenden Leute klimpert und funkelt nicht. Es schimmert in der Sonne und wiehert im Dunkeln."
Der Irish Tinker ist ein sehr vielseitiges Pferd, der sich für fast alle Sparten der Reiterei anbietet... Natürlich sind in der Dressur aufgrund seines Körperbaus auch Grenzen gesetzt, aber die meisten Sparten durchläuft ein Tinker mit Bravour...
Trotzdem sollte man sich von diesen Bildern nicht täuschen lassen, denn ein Tinker ist entgegen der landläufigen Meinung KEIN typisches Anfängerpferd und nur bedingt für Kinder geeignet. Ein Tinker lotet die Schwächen seines Menschen sehr schnell aus und weiß sich auf zwar charmante, aber dennoch sehr penetrante Art und Weise durchzusetzen. Tinker sind sehr sensible Pferde, die bei falscher Behandlung schnell bullig, stur und stoisch erscheinen... ... bei richtiger Haltung und Erziehung ist ein Tinker allerdings ein toller Freizeitkumpel, mit dem man jede Menge Spass haben kann ;-)
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